Prag, 8. März 2010
Er ist einer der prominentesten Autoren des tschechischen Club- und Verlagshauses Knižní klub – und mit Sicherheit auch einer der produktivsten: der tschechische Staatspräsident Václav Klaus. Zehn Bücher hat der Präsident, der vor allem wegen seiner vehement kritischen Haltung zur Europäischen Union auch außerhalb seiner Heimat immer wieder für Aufsehen sorgt, bereits bei der DirectGroup-Tochter veröffentlicht – am vergangenen Dienstag stellte er in Prag sein elftes Knižní-klub-Werk vor: „Rok sedmý“, „Das Jahr sieben“. Traditionell verbindet Klaus seine Buchpräsentation mit einer Autogrammstunde im „Luxor Buchpalast“ am Wenzelsplatz, die – genauso traditionell – wieder für lange Schlangen vor der Buchhandlung sorgte.
Und der Titel des Buches verrät auch schon, worum es geht: Gemeint ist das Jahr 2009, Klaus‘ siebtes Jahr als tschechischer Staatspräsident. In zehn Kapiteln schildert er die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres und seine Sicht auf die Dinge, allem voran auf den Vertrag von Lissabon, der unter anderem die Rechte des Europäischen Parlaments stärkt, und gegen dessen Unterzeichnung er sich so lange gewehrt hatte. Weitere Themen des Buches sind der 20. Jahrestag des Endes des kommunistischen Regimes, übrigens dem Thema seines gerade im vergangenen November beim Knižní klub erschienen Werkes „Kde zacina zitrek“ (etwa „Wo das Morgen beginnt“), die tschechische EU-Ratspräsidentschaft 2009 sowie Treffen mit dem US-Präsidenten Barack Obama und Papst Benedikt XVI.
Doch Václav Klaus wäre wohl nicht er selbst, wenn er nicht den öffentlichen Rahmen der Buchpräsentation zur Abrechnung mit den europafreundlichen Kräften in seinem Land nutzen würde. Das Thema Europa wird auch im Zentrum einer Rede stehen, die Klaus am 29. April an der Humboldt-Universität in Berlin halten wird und die für ihn nach eigener Aussage die wichtigste Rede des Jahres werden wird. Innenpolitisch sieht er Tschechien nach dem Sturz der Regierung Topolánek und der durch das Oberste Verfassungsgericht angeordneten Verschiebung der Neuwahlen in einer schweren Regierungs- und Verfassungskrise. „Unser Land braucht dringend eine normale, funktionierende und arbeitende Regierung“, betonte Klaus.